Die 30 hatte ich schon überschritten als mein Mann und ich beschlossen, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist die Welt mit unserem Nachwuchs reicher zu machen. Ich richtete im Geiste schon das Kinderzimmer ein und da ich wusste, dass unser Sohn ein Mädchen wird, hatte ich meterlange Namenslisten für unsere Kleine und machte mir trunken vor Vorfreude tausend Gedanken: Nehme ich Folsäure aus der Drogerie oder die Teuren? Rein statistisch gesehen ist die Chance da, dass es Zwillinge werden. Hm. Perfekt! Zwei auf einen Streich! Woran ich mit Sicherheit nicht dachte, war, dass wir Jahre auf unser Wunder warten müssen.

Unser Leben ging weiter, die Jahre gingen ins Land, Freunde bekamen Kinder -Mehrzahl- und wir zogen alle Register um wenigstens ein Wunschkind im Arm zu halten. Ich wollte übrigens früher immer 3-5 Kinder. Was für ein Kampf es werden würde, eins zu bekommen, darauf wäre ich in meinen kühnsten Träumen nicht gekommen.

Diese Zeit war mehr als brutal und randvoll mit Emotionen irgendwo zwischen Hoffen und Verzweifeln. Es gab gute Momente in den schlechten Zeiten. Und schlechte Sprüche die trösten sollten, die bei mir aber nur Fassungslosigkeit ausgelöst haben. Natürlich waren sie gut gemeint. Nur leider sehr schlecht gemacht. Und hier liegt das Problem: Trösten ist nicht leicht. Es bedarf außerordentlich viel Fingerspitzengefühl und Empathie jemanden zu trösten bei einer Thematik, die man erst versteht, wenn man das gleiche durch hat. Und ernsthaft, auch wenn mein Mann mir irgendwann nicht mehr sagen konnte wer in unserem Umfeld -mal wieder- schwanger ist, einen lange unerfüllten Kinderwunsch gönn ich keinem. Fühlt sich Scheisse an. Und das lautstarke Ticken meiner biologischen Uhr führte bei mir fast zu einem Hörschaden. Vielleicht lags auch an diesen “Tipps”:

Du darfst das nur nicht zu verkrampft wollen, sonst wird das nichts!

Die schlechten Nachrichten für die Jünger dieser Theorie vorweg: Es ist mittlerweile in Studien belegt, dass es völlig wurscht ist, ob man total frenetisch darauf fixiert ist, schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen oder ob man völlig gechillt dabei ist. Ob man schwanger wird oder nicht hat nichts damit zu tun ob man 24/7 an nichts anderes denkt oder gelassen weiter macht.

Es ist schlicht nicht möglich nicht schwanger zu werden weil man es sich “zu sehr” wünscht. Und mal ehrlich, darf man sich Dinge nicht zu sehr wünschen? Was ist die Theorie hinter diesem absurden Rat. Wenn ich mir etwas ganz doll wünsche, dann bekomme ich es erst Recht nicht weil.. die Welt grundsätzlich mies ist? Oder so? Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir mit unseren Gedanken eine Menge steuern können. Zum Guten wie auch zum Negativen. Fakt ist aber auch, spätestens, wenn es biologische Gründe gibt, dass einem der Schwangerschaftstest nach dem xten Versuch ein höhnisches “Nicht Schwanger” entgegen donnert, kann ich so krampfhaft an meinen Kinderwunsch denken wie ich will. Ich habe null Einfluss darauf, ob ich schwanger werde oder eben nicht.

Übrigens funktioniert das Gegenteil auch nicht oder warum werden Frauen auch durch eine Vergewaltigung schwanger? Wohl kaum weil sie so großartig Bock drauf haben von einem Straftäter geschwängert zu werden.

So toll ist das mit Kindern auch alles nicht. Dein Leben wird nur anstrengend sein.

Dein armes Kind.

Mehr hatte und habe ich zu dieser Aussage nicht zu sagen.

Das Leben ist auch ohne Kinder voll schön.

Das weiß ich. Mein Leben ist nämlich schön. Mein Wunsch ein Kind zu bekommen, hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, dass ich gelangweilt/ unglücklich / unzufrieden/ einsam oder ähnliches bin. Ganz im Gegenteil. Meiner ganz persönlichen Erfahrung nach, kommt der Kinderwunsch dann, wenn man einfach zufreiden mit sich und dem Leben ist.

Mal ernsthaft, ja es gibt sie sicherlich, die Personen, die Kinder bekommen um irgendeine innere Leere zu stopfen oder weil sie ein neues Accessoire benötigen und Hunde gerade nicht en vogue sind. Natürlich wäre es da besser, wenn man sich ganz schnell einen vernünftigen Therapeuten sucht und sein Verantwortungsbewusstsein rausholt um den Kinderwunsch so lange zu verschieben bis einem der Unterschied zwischen Schoßhund und Kind klar ist.

Wirklich leid tun mir da die Kinder. Sehr doll. Denn sie baden es aus, wenn ihre Eltern gaaaanz langsam realisieren, dass sie kein ablegbares Schoßhündchen sind. Doch die meisten bekommen Kinder nicht um ihrem tristen Leben mehr Glanz einzuhauchen. Nein. Sie bekommen Kinder weil sie keine Angst (und Ahnung 😉 ) vor den Konsequenzen haben sondern einfach eine Familie gründen möchten, weil sie diese ganz tiefe, normale Sehnsucht nach Kindern haben. Mit allem was dazu gehört auch wenn sie noch Ahnung davon haben was das alles ist.

(Gähnt, hat Augenringe und sieht echt fertig aus): “Ich habe die halbe Nacht nicht geschlafen, seit drei Jahren. bist du dir sicher, dass du Kinder willst?”

Ja.

Nur um Missverständnissen vorzubeugen. Du hast die halbe Nacht nicht geschlafen WEIL du ein Kind hast. Es mag merkwürdig klingen, aber ich wäre gerne aus genau diesem Grund wach. Und ich beneide dich grenzenlos um deine Augenringe und würde gerne aus den gleichen Gründen so Kacke aussehen wie du.

Von meiner Tante, die Kollegin von der die Friseurin wollte ganz lange Kinder und als sie es aufgegeben hat, wurde sie sooofort schwanger!!11!

Mein ganz persönlicher Star unter den bescheuertesten “Ratschlägen” denn er ist an Empathielosigkeit und Kurzsichtigkeit nicht zu übertreffen. Ich nehme den Rat mal auseinander und gucke mir den Bodensatz der Aussage mal an: Die Bekannte um fünf Ecken war höchstwahrscheinlich “ganz lange” sehr traurig, verwirrt und erwähnte ich traurig, dass es mit ihrem Kinderwunsch nicht klappte. Irgendwann während dieser Reise kam sie zu dem Punkt, ihren Kinderwunsch aufzugeben. Ich versichere euch, der Gedanke kam ihr nicht an einem schönen Frühlingsmorgen am Frühstückstisch. Das wird ein Prozess gewesen sein, der unvorstellbar schmerzhaft gewesen sein muss. Vorsichtig formuliert, sie ist einmal durch die Hölle gegangen und hat irgendwie den Ausweg gefunden.

Ernsthaft, darauf soll ich hinarbeiten? Das soll mich in irgendeiner Form beruhigen, trösten? Ähm. Nope.
Bei uns hat es Jahre gedauert und ich war weit entfernt davon ans Aufgeben zu denken. Und meine Jahre mit unerfülltem Kinderwunsch waren so schon kaum auszuhalten.
Mir fehlt die Phantasie mir vorzustellen wie grausam es sein muss seinen Kinderwusnch endgültig aufzugeben.

Nein, es ist kein Trost sich vorzustellen, dass alles gut wird, wenn man seinen Kinderwunsch aufgibt.

Geniess dein Leben ganz intensiv, bevor du das erstmal nicht mehr kannst.

Ich habe die Schnauze voll vom Genießen! Und ständig soll ich was mit meinem Partner machen “weil ihr das dann erstmal nicht mehr könnt” und ins Bett geschickt wie ein kleines Kind werde ich auch permanent “weil du das dann nicht mehr kannst” und auf der Toilette sitze ich voller Dankbarkeit und genieße den Augenblick “weil du dann nie wieder alleine bist”. Boh! Es ist doch ganz einfach: Wir machen alle unsere eigenen Erfahrungen und hören selten auf die mit den Erfahrungen. Wisset ihr noch, damals als unsere Eltern uns Ratschläge aufgrund ihrer eigenen Erfahrung gegeben haben, die wir einfach doof fanden? Haben wir ignoriert und ich tippe mal ganz stark drauf, dass es zukünftigen Generationen ähnlich gehen wird. So ist das mit eigenen Erfahrungen machen.

Übrigens: mein Mann und ich haben definitiv viel zu wenig Paarzeit genossen in meiner Schwangerschaft. Die ersten drei Monate waren mir nur schlecht, die nächsten drei waren zu schnell rum und die letzten drei waren ätzend anstrengend und ich watschelte mit Schmerzen und schlecht gelaunt durch die Gegend, wenn ich nicht auf Toilette saß. Zu wenig geschlafen habe ich sowieso und auf Toilette saß ich auch ziemlich undankbar rum. Und wisst ihr was: Ich geniesse jetzt die Momente alleine, Auszeiten mit meinem Mann oder eine Stunde alleine schlafen soviel mehr. (Übrigens, total überraschend, erst Recht die Zeit mit unserem Kind) Weil ich es erst jetzt zu schätzen weiß. Woher soll ich wissen wie es ist, das Leben mit Kind? Wir hatten ein Haustier und ernsthaft, wir kamen noch nicht einmal in die Nähe davon uns richtig vorzustellen wie es sein würde unser Leben mit Kind.

Und wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten

Ich kann den Drang, einen Tipp zu geben, damit es meinem traurig guckenden Gegenüber besser geht verstehen. Absolut. Ich widerstehe am Tag ca. 8 mal jemanden ungefragt einen Tipp zu geben. Doch ungefragte Ratschläge sind kein Trost. Sie bewirken schnell das Gegenteil und sind übergriffig und mal ehrlich, man kann sicher sein, dass ein Paar mit Kinderwunsch irgendwann alle, wirklich ALLE Möglichkeiten kennt um ein Kind zu bekommen. Inklusive Regentanz nach Vollmond.

Ungefragte und deplatzierte Ratschläge zeigen auch irgendwie die Not des Rategebenden. Wir sind gepolt bei einem Problem sofort nach einer Lösung zu suchen. Problemorientierte Menschen sind out, unter Stärken in der Vita liest sich “lösungsorientiert” wirklich besser. Es ist schwer einfach mal nichts zu sagen. Zuzuhören.

Mir haben Fragen eher geholfen als jedes Analyse der Situation “Wie fühlst du dich? Fühlst du dich gut betreut bei deinem Arzt” “Kann ich dir was Gutes tun?” oder ein bisschen Solidarität “Das ist doch echter Mist. Verdammte Kackwurst! Ich wäre auch sooo wütend!” Mir hat auch schwarzer Humor, Sarkasmus und Übertreibung geholfen “Was hältst du von Drachen? Das wissen wir ja seit GoT, dass es klappt. In Ermangelung von Dracheneiern nehmen wir Hühnereier, ich schubs dich ins Osterfeuer und alles wird gut. Und du musst sie nicht wickeln!”

Jemanden zum Lachen bringen. Der beste Tipp von allen.

Alles Liebe, Eure Nita

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Hi! Ich bin Anita, 38 Jahre und blogge über Alltagsgeschichten aus meinem Mamaleben und Schwangerschaft , mag nachhaltige, natürliche Beautyprodukte und schnelle, leckere Rezepte. Dabei verliere ich selten meinen Humor, lege den Finger aber gerne in die Wunde. Jeden Sonntag, so ab 12.00 Uhr, je nachdem ob es unser Einjähriger kleiner Junge zulässt, kommt ein neuer Blogbeitrag auf meiner Seite Nitas Pleasures.

Auf Instagram und Facebook nehme ich dich ein bisschen durch unseren Alltag mit. Ich freu mich, wenn du uns begleitest.

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