Kennt ihr die 5 Phasen des Liebeskummers? Nicht wahr haben wollen, dann der Schock, hin zum Aktionismus, dann die Wut und schließlich Akzeptanz oder nett ausgedrückt “positive Neuorientierung”. 

Seit Corona und den mehr als unfassbar massiven Auswirkungen auf unser aller Leben durchlaufe ich mehrmals täglich genau diese Phasen. Die positive Neuorientierung guckt mich allerdings nur mit zusammengekniffenen Augen und dann ganz kurz an. Jetzt gerade sind die Existenzsorgen bedrückend, mein Mann hat sein Geschäft, unser Geschäft, das er zumachen musste. Wums, Existenzgrundlage weg. In einer Stunde durchflutet mich ein “wird alles gut”, ganz schnell kommt die blanke Wut und Verzweiflung.

Eigentlich schreibe ich eher mit Augenzwinkern. Momentan kommt mir ständig die Galle hoch, wenn ich nicht gerade das Gefühl habe, mir wird die Luft eng. Buchstäblich. Super lustige Texte kann man von mir gerade nicht erwarten.

Aber, und ich finde den Satz so doof aber er ist wahr: es geht weiter. Unser Kind ist zwei Jahre alt und ihn will ich schützen und soviel Normalität wie möglich bewahren. Es ist verdammt schwer.

Ich wollte kein Katastrophentagebuch führen. Jetzt mach ich es doch. Weil die Auswirkungen von Corona einfach eine riesen Katastrophe sind und ich leider nicht so gut malen kann um mir meinen Frust von der Seele zu malen. Vermutlich wären meine Nachbarn auch relativ pissig wenn ich jeden Abend um 19 Uhr brüllend auf dem Balkon hänge. Die erleben eh ein dauerhaftes Getrampel von oben, dass ich sogar mit dem Stinkstiefel unter uns Mitleid bekomme.

Aber da mein Blog auch ein Kinderblog ist, zeige ich euch pro Tag eine Sache die wir spielen. Dazwischen heul ich rum und versuche den Laden am Laufen zu halten. Manchmal komme ich mir vor wie eine Trümmerfrau in spe. 

Los geht es  mit dem letzten Wochenende:

Freitag, der 20. März 2020

Malen mit Kleinkind Fingerfarbe Spielen auf dem Balkon Sandkasten Kleinkindbeschäftigung Spielideen Balkon Kleinkind Corona

Wir gehen in den Wald, wir müssen in den Wald,was für uns bedeutet: Ich schnappe mir Benchen und wir flitzen zum Auto. An mehreren kritischen Stationen vorbei, unter anderem unserem Lieblingscafe bei dem Benchen sich vor einer Woche noch regelmässig seine geliebte Börekstange gekauft hat. Für 2 Cent und er bekam immer Wechselgeld, meistens 5 Cent. Sonntags nach meinem Sport bin ich rein und habe unsere Zeche bezahlt. Ist das echt eine Woche her?

Wir sitzen im Auto, hinter uns hält ein Rettungswagen. Verdammt, nicht jetzt. Kurz danach ein Mannschaftswagen der Polizei. Ein junger Mann will weglaufen und wird festgehalten und im Krankenwagen abtransportiert. Was ist denn hier los? Benchen ist begeistert, ich erzähle ihm, dass da bestimmt auch Feuerwehrmann Sam ist, der ist ja wie der Osterhase, man sieht ihn nur ganz ganz selten. Herzklopen. Wir sind 40 Meter von zu Hause entfernt und diese neue Realität pack ich noch nicht.

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Auf Pappe malen ist momentan spannender als auf Papier und geht auch länger. Wir haben Pakete aufgeschnitten, hingelegt und los geht der Malspaß mit Filzstiften und Kreide.

Im Wald ist die Welt nicht in Ordnung. Die Leichtigkeit ist einfach nicht da. Ich will niemanden sehen, niemanden ausweichen müssen, nicht aufpassen müssen, mich nur voll auf Benchen konzentrieren können ohne dass meine Gedanken abdriften. Hinter uns kommt ein älterer Herr, langsam, er sieht uns und wird noch langsamer. Benchen hat ihn mit seinen Ball in der Hand entdeckt und ruft ihm zu “Hi, komm!”. Mein kleiner wunderbarer Junge mit dem großen Herzen, so eine verdammte Kacke die du erleben musst. Die Ablehnung die Benchen gerade erfährt ist massiv und ich kann kaum schlucken so sehr tut mir das weh. Ich erkläre es ihm immer und immer wieder aber hey, er ist 2 Jahre alt!

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Neuentdeckung: Benchen legt seine Hand hin, ich ummale sie und wir kritzeln zusammen weiter. Riesenspaß.

Der ältere Herr hat seine ganz eigenen Strategie um uns nicht nah zu kommen. Immer wenn Benchen stehenbleibt damit wir Steine bewundern können, bleibt er auch stehen und klappt sein Buch auf, dass er in der Hand hat und liest. Jeder geht völlig anders mit dem Sturm um und ich wette jeder braucht noch Zeit um seine Waage zu finden. Meine Waage tickt jedenfalls völlig frei.

Drei schöne Dinge:

  1. “Mama, kusln, Arm” sagt mein Sohn
  2. Weiß nicht.
  3. Alle unseren Lieben sind gesund.

Samstag, der 21. März 2020

Basteln mit Klorollen Fingerübungen mit Kleinkind Fingerfarbe Spielen auf dem Balkon Sandkasten Kleinkindbeschäftigung Spielideen Balkon Kleinkind Corona
Der Vorteil wenn man mehr zu Hause ist? Keiner. Allerdings produziert man mehr Papierrollen und mit denen kann man tolle Spiele machen…

“Schatz, versteck bitte mein Handy vor mir!” mit den Worten drück ich meinem Mann mein Handy in die Hand. Ich bekomme es nicht hin mal keine Nachrichten zu lesen, was definitiv nicht zur Beruhigung beiträgt. Mein Mann schlägt vor, dass ich mein Handy “einfach weglege”. Dafür erntet er ein Haifischlächeln und ich werde ein wenig ätzend in meiner Antwort. Wenn das so einfach wäre, dann hätte ich das wohl getan. Die auf mich einstürmende Informationsflut ist heftig und zu viel. Gleichzeitig ist alles wieder schwammig, die Klarheit nach Merkels Rede ist wieder weg.

Basteln mit Klorollen Fingerübungen mit Kleinkind Fingerfarbe Spielen auf dem Balkon Sandkasten Kleinkindbeschäftigung Spielideen Balkon Kleinkind Corona
…die Zweijährige manchmal drei Minuten davon abhalten die Bude zu zerlegen. Löcher rein und dann mit Pfeifenreiniger oder ganz simpel Spaghetti Steckspiele machen.

Aber der Tag wird toll, wirklich schön. Extrem entspannt, wir sind zusammen und geben uns Raum. Und wenn wir mal kurz vergessen, dass mein Mann seinen Laden zumachen musste, der unsere Existenz ist, dann lässt die Übelkeit etwas nach.

Drei schöne Dinge:

  1. Halber Tag ohne eine Nachricht zu lesen.
  2. 2 Stunden Mittagsschlaf mit unserem Sohn
  3. Alle unsere Lieben sind gesund.

Sonntag, der 22. März 2020

Spielen auf dem Balkon Sandkasten Kleinkindbeschäftigung Spielideen Balkon Kleinkind Corona
Letztes Jahr zur HItzewelle haben wir uns für unserem Pupswinzbalkon ein Planschbecken geholt, das haben wir jetzt mit Sand gefüllt…

Wir wachen alle etwas grundgenervt auf. Nicht nur von den Umständen sondern auch voneinander. Das wird ja super! Mir fällt auf, dass ich nicht zum Sport kann, was mir immer geholfen hat um Kraft zu sammeln. Mein Mann ist knötterig weil er sich verlegen hat und Benchen ist vermutlich von uns genervt und bekommt als erstes einen drohenden Budenkoller.

Spielen auf dem Balkon Sandkasten Kleinkindbeschäftigung Spielideen Balkon Kleinkind Corona
…Muscheln rein und seitdem buddeln wir täglich. Hat knapp 10 Euro gekostet. Benchen ist happy und ich erst Recht!

Wir rocken den Tag irgendwie und das gar nicht schlecht. Mindestens einer von uns Großen bekommt die Kurve und zieht den anderen damit wieder in die Spur.

Am Ende des Tages steht Benchens improvisierter Sandkasten auf dem Balkon und seine Freude zu sehen als er ihn sah, tat so gut! Wenn er schon nicht auf dem Spielplatz buddeln darf, dann machen wir es uns zu Hause schön!

Am Ende des Tages wissen wir Bescheid. Keine Ausgangssperre komplett aber eine ordentliche Kontaktbeschränkung. Wir bleiben zu Hause.

Drei schöne Dinge:

  1. Das glückliche Grunzen unseres Sohnes als er seine Finger in den Sand steckt.
  2. Lakritzbonbon gefunden!
  3. Alle unsere Lieben sind gesund.

Bleibt gesund, im Kopf, im Körper und passt auf euch gegenseitig auf!

Hi! Ich bin Anita, 39 Jahre und blogge über meinen Alltag mit meinem Kind. Ich mag Upcycling, weniger Plastik, ich liebe die Ostsee und finde Zigarettenkippen auf Spielplätzen blöd. Wenn ich pupse, dann kein Einhornglitzer und offene Worte und Humor finde ich zum Dahinschmelzen.

Wenn es meine Zeit und meine Priorität Nummer 1, mein Zweijähriger kleiner Junge zulässt, kommt einmal pro Woche ein neuer Blogbeitrag auf meiner Seite https://nitaspleasures.de.

Auf Instagram findest du mich und meinen Alltag unter nitas_pleasures und bei Facebook auch. Ich freu mich, wenn du uns begleitest.

2 Comments

  1. Petra Steinborn Reply

    Diese Zerrissenheit, zwischen der Neugier alles zu wissen und zu verstehen und trotzdem einen angenehmen Alltag zu verbringen, hast Du sehr lebhaft beschrieben. Ich lege auch manchmal einfach bewusst das Handy weg, damit ich nicht überflutet werde. 🌹

    • Nita

      Zerrissenheit trifft es sehr gut! Ja, man wird sonst völlig überflutet und das von einer Thematik die einfach viel zu unfassbar ist. im wahrsten Wortsinn. Bleib gesund! Liebe Grüße, Anita

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