Sonntag, der 29.03.2020

Pünktlich kurz nach Benchens Geburt habe ich mir eine Nähmaschine gekauft. Ihr wisst schon, ich wollte ab sofort seine Babykleidung selbst nähen und nicht schnöde kaufen.

Mundmasken nähen
Zwischenzeitlich wollte ich alles einfach abbrennen! Ganz besonders diese doofe Unterfadenspule. Oder wie das Ding heißt.

Haha. HAHAHA!

Es brauchte Corona um sie aus der hintersten Ecke wieder hervorzukramen und vom Staub zu befreien. Mein Bedürfnis seine Kleidung selbst zu nähen, hält sich noch in Grenzen aber ich werde Mundmasken nähen.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ziemlich unwissend geguckt, wenn mir jemand mit Maske entgegen kam. Man kann es mit der Angst vor Ansteckung ja übertreiben, dachte ich. Spätestens seit meiner Mandelentzündung im Januar ist mir ziemlich beschämt klar geworden, dass der Sinn einer Mundmaske nicht ist, sich selbst zu schützen sondern andere. Und dafür sind selbst genähte Mundmasken hervorragend geeignet. Anleitungen gibt es zuhauf im Netz und dank der besten Freundin von allen und Videotelefonie über Whatsapp, habe ich meine verstaubte Nähmaschine in Gang bekommen und bin optimistisch, dass ich was brauchbares an Masken hinbekomme.

Mundmasken nähen
Mein erster Stich! And maybe I am a litte stolz.

Die ersten Länder, Städten, Gemeinden fangen an mit einer Mundschutzpflicht beim betreten von Geschäften und ich empfinde sie als sehr sehr sinnvoll und tatsächlich als einzig gangbaren Weg, wenn wir nicht bis Weihnachten zu Hause hocken wollen. Mal ganz abgesehen vom wirtschaftlichen Totalschaden für alle, hätte ich keine Ahnung, wie wir das psychisch packen wollen. Sowas klappt höchstens mit einer absoluten Menschenphobie. Hab ich nicht. Unpraktisch. Ich fände es zwar super, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern weiter gemacht wird, so ganz grundsätzlich aber mittlerweile vermisse ich sogar übergriffige Mütter auf dem Spielplatz die mir ungefragt erzählen wollen, warum Stillen länger als ein Jahr schlimm ist. Ja! So weit ist es schon!

Mein Lieblingsvirologe Prof. Drosten, mit seinen wunderbaren Podcasts *click* hat es auf den Punkt gebracht. Davon abgesehen, dass selbstgenähte Masken sehr wohl den anderen vor Tröpfchen schützen, ist es auch eine Höflichkeitsgeste: Du bist mir nicht egal, ich weiss nicht ob ich infiziert bin und möchte dich schützen. Und natürlich ist die Maske kein Freifahrtsschein den Fremden an der Wursttheke zu knutschen und zum Niesen die Maske abzunehmen. Oder sich extra nach Publikum umzugucken um dieses anzuhusten. Erst Recht entfällt mit dem Tragen der Maske nicht die Pflicht zum regelmäßigen Händewaschen. Logisch, oder? Und dass man sich vorm Tragen informiert, auf was man zu achten hat, damit das Ganze auch Sinn macht, versteht sich doch von selbst.

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Mit Lebensmittelfarbe gefärbten Reis. Meditation für meinen Sohn und der Stresstest für meinen Staubsauer. Er fährt völlig drauf ab. Am liebsten mit Autos und spielt Müllabfuhr und Schneepflug.

Ich habe aber noch einen anderen Grund warum ich ab sofort bunte, niedliche Mundmasken nähe. Mein kleiner Lieblingsmensch lernt gerade erst, dass er in die Armbeuge niest. Klappt super. Beim Spielen und manchmal durch Zufall auch so. Natürlich kann er mit gerade mal 2 Jahren noch nicht erkennen, dass er in 1 Sekunde Mama in den Mund niesen wird. Und ich kann jeden verstehen, der es gerade überhaupt nicht lustig findet, wenn jemand frei niest und hustet. Toleranz bei Kindern aufbringen? Ist jetzt nicht unbedingt die Stärke unserer Gesellschaft.

Momentan kann ich es sogar verstehen, wenn man richtig nervös wird, wenn man schniefende Kleinkinder sieht. Fällt mir nur etwas schwer, wenn die ältere Dame mich anmotzt was mir einfällt mit Kind einkaufen zu gehen. Und dabei keinen Zentimeter Abstand hält. Schwierig.

Trotzdem. Es kann ja wohl kaum der Weg sein, dass wir unsere Kinder nicht mit in Geschäfte nehmen. Wie soll das eine Alleinerziehende Mama oder Papa machen?

Ich versuche also für die nächste Zeit meinem Sohn das Tragen einer Mundmaske zu vermitteln.

Ob Benchen seine Mundmaske in Giraffenoptik akzeptiert, werde ich sehen aber vielleicht sind wir ja bald gemeinsam einkaufen (ist nämlich so, mein Mann kann nicht immer einkaufen), mit blauen Giraffen auf unserer Mundmaske. Klappt es nicht, dann ist das so.

Vier schöne Dinge

  1. Knoblauch futtern ist in rauhen Mengen dank Abstand möglich.
  2. Wir haben die Zeitumstellung irgendwie vergessen. Und unser Sohn auch, der schlief einfach mal bis morgens um 8.00 Uhr durch. Whoop Whoop!
  3. Benchen sagt auf mein “Nein” mittlerweile “Doch”. Damit verfügt er mit “Meins”, “weg” “auch” über die wichtigsten Wörter. 😀
  4. Alle unsere Lieben sind gesund.

Mittwoch, der 1. April

Aus. Schluss. Ende. Mein Tank ist leer und ich will nur weglaufen.

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“Ich kann nicht mehr! Die Scheisse kotzt mich an!” Genau das war die SMS an meinen Mann. Es war mir einfach zuviel und zuwenig. Ich wollte raus. Wollte, dass sofort alles wieder normal ist. Es war mir zuviel an Enge. Zuwenig an Normalität. Zuviel an Trotzanfällen die ich kaum bis gar nicht kommen sah. Eigentlich war es nur ein Wutanfall bei Benchen, der fing halt schon morgens an und hörte abends auf. Dieser dröge neue Alltag der gleichzeitig einfach mega anstrengend ist, war gestern nahezu unerträglich. Zuwenig an echten menschlichen Kontakt.

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Unser Wutstiftmonster. Geformt aus Knete, die über Nacht trocknet und mit klimpernden Augen verziert.

Und nein, Whatsapp und Videotelefonie ist kein dauerhafter Ersatz. Mein Tank fuhr nicht mehr auf Reserve. Er war leer. Nicht ein Tröpfchen war mehr drin. Was geholfen hat? Die SMS meines Mannes: “Ruf mich an und kotz dich aus!”.

Hab ich gemacht. Bis auf den letzten Rest Galle. Den Preis für besonders feine, zarte Sprache bekomme ich wohl nicht. Aber wenn es einen Preis für “Corona Tourette” gibt, hab ich echte Chancen auf den Hauptgewinn. Unfassbar wie befreiend und stressabbauend so ein gepflegter Schimpfanfall mit derben Schimpfwörtern sein kann. Herrlich.

Am frühen Abend bekamen wir dann irgendwie die Kurve. Benchen hing völlig erschöpft vom Weinen, vom wütend sein auf mich,

auf den Wäschekorb, der auf SEINER Sportmatte stand und auf die tausend anderen Dinge, die ihm den Tag versaut haben in meinem Arm und wir kuschelten. Endlich.

Und nein, damit war nicht alles toll und super. Aber für einen wichtigen Moment war alles gut und mein Tank wieder mit den essentiellen Tropfen voll.

Vier schöne Dinge:

  1. Wir haben mehr Familienzeit. Zumindest morgens. Und da sitzen wir zusammen und frühstücken in aller Ruhe. Kuscheltierfütterung inklusive.
  2. Als riesengroßer Fan von den “Drei Fragezeichen” gehe ich regelmässig fremd mit “Die fünf Freunde”. Abends saßen Benchen und ich kuschelnd da und lauschten eine ganze verdammte Folge. Dem Hund Timmi und seinem regelmässigem Gebell sei Dank!
  3. Gemeinsam Sport machen! Benchen und ich zappeln gemeinsam und das ganze mehrmals am Tag. Mega. Er powert sich ein bisschen aus und ich habe das Gefühl, dass sich nicht alle Muskeln auflösen.
  4. Alle unsere Lieben sind gesund.

Donnerstag, der 2. April

“Schatz, ich geh einkaufen! Zu Rossmann und zu Lidl. Und zwar zu Fuss!” Mein Mann konnte vormittags zu Hause bleiben, bitter nötig nach gestern und ich flitzte los. Hauptsache raus! Eine Maske aus dem Geschäft meines Mannes vor mein Gesicht und ich rannte fast durch zu Rossmann. Menschen! Einkaufen! Dinge angucken!! Kein Malen, Basteln, Essen machen, Essen wegmachen, keine Betreuung, einfach nur raus.

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Steine malen ist hier ziemlich beliebt. Meistens auch für 2,5 Minuten interessant. 🤪 Total süß und damit fangen wir morgen an: Wir verteilen sie beim Spazierengehen. Vielleicht finden sie andere Kinder und viiiielleicht finden wir auch welche. Zur Sicherheit nehme ich ein paar heimlich bemalte mit und guck dann voll überrascht wenn wir bemalte Steine finden. Schonmal üben für Ostern, das wird auch noch was… 🙈

Und hey, nach einigen Tagen inside the box muss ich sagen: Da draussen ist die Welt ja schwer in Ordnung! Gemütliche Plaudereien auf den Bänken um den Kietz Brunnen herum. Kuschelige Enge bei Rossmann. Für manche scheint der Einkauf ein Shoppingerlebnis zu sein und die Wahl, welchen Lippenstift nehme ich denn nun dieses mal, dauert halt laaaang. Klasse! Ist ja echt schön hier! Man könnte fast glauben, ich hätte mir das mit der Pandemie eingebildet.

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Magnetfolie mit Kreidestiften bemalen fetzt. Wir haben selbstklebende Folie (gabs online bei Tchibo / Werbung) auf ein festes Stück Pappe geklebt….

Natürlich bin ich stinksauer. Der allergrößte Teil der Gesellschaft reißt sich den Arsch auf um alle zu schützen. Sie ersticken teilweise an Existenzsorgen und geben trotzdem jeden Tag ihr Bestes damit die Pandemie so abläuft, dass unser Gesundheitssystem nicht verreckt. Und damit viele Menschen. Ja, es ist besser geworden aber ernsthaft: das geht besser.

Für den Anfang: Wisst ihr noch als über die Leute gelächelt wurde, die vor der offiziellen Ansage ihre privaten Kontakte reduzierten und ihren Seifenverbrauch nach oben pushten? Das waren ganz schnell die Panikmacher. Später kam raus, dass es diejenigen sind, die -leider-Recht hatten und einfach nüchtern sich den Verlauf in China angeguckt haben und 1+1 zusammengezählt haben.

Dann kam der große gemeinschaftliche Schlachtruf “Wir bleiben zuhause!” “Solidarität!” und nicht zu vergessen Hashtag “Staythefuckhome”. Dicht gefolgt von dem für mich schlimmsten Hashtag “staypositive”. Für mich klingt der gerade einfach zu sehr nach “jetzt mach mal! Gib dir mal Mühe und denk gefälligst positiv auch wenn sich deine Existenz gerade in Luft auflöst du Flachpfeife!”. Lieber wäre mir Hashtag “alles was dir hilft um durch diese Scheisse zu kommen und niemanden schadet ist großartig also los!”

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…gemalt wird mit Kreidestiften und mit Magneten gespielt. Klappt wunderbar am Tisch. Während ich Kaffee trinke. 😀

Und nun? Nun, fangen wir bitte gar nicht erst an über die Leute zu lächeln, die Mundmasken tragen. Das sind nämlich auch die, die sich schon die Hände trocken geschrubbt haben, bevor das RKI die Aufforderung dazu gab.

Nein, die Masken schützen einen nicht vor einer Ansteckung. Aber sie können helfen andere nicht zu infizieren. Klingt so als kann man das ja einfach mal machen. Für dich, für die Hebamme, die dein Kind auf die Welt bringt, die Krankenschwester, die Freundin, den Lehrer, die Bäckerin, den Verkäufer, für alle.

FÜnf schöne Dinge

  1. Mein Kind. Wie witzig und großartig ist mein Lieblingsmensch eigentlich?
  2. Mein Mann. Wie tapfer und großartig ist mein Lieblingsmensch eigentlich?
  3. Kurzfristige Spontanheilung! Der Wunsch nach Normalität ist kurzfristig unterdrückt nachdem ich Einkaufen war.
  4. Wir hatten einen guten Tag mit viel Malen, Basteln, Fernsehen und gemeinsam Alltag erleben.
  5. Alle unsere Lieben sind gesund.

Hi! Ich bin Anita, 39 Jahre und blogge über meinen Alltag mit meinem Kind. Dabei zeige ich dir einfache Ideen zum Spielen. Ich mag Upcycling, weniger Plastik, ich liebe die Ostsee und finde Zigarettenkippen auf Spielplätzen blöd. Wenn ich pupse, dann kein Einhornglitzer und offene Worte und Humor finde ich zum Dahinschmelzen.

Wenn es meine Zeit und meine Priorität Nummer 1, mein Zweijähriger kleiner Junge zulässt, kommt einmal pro Woche ein neuer Blogbeitrag auf meiner Seite https://nitaspleasures.de.

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