Ein bisschen gerne würde ich schon schreiben, darüber, dass sich mein Körper während meiner Schwangerschaft nunmal verändert hat und das auch total ok ist. Und ich mit meinem After-Baby-Body auch super cool bin und zwar immer und überhaupt und ich mir auch gar keinen Stress mache. Weder im akzeptieren meines jetzigen Körpers noch in der Dauer der Rückbildung. Oder den Ergebnissen.

Mäh. Nee, sorry, ich sehe das anders. Ich hätte sehr sehr gerne meinen alten Körper zurück. Und ich muss auch nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen und mir mantramässig sagen, dass es doch wirklich nicht wichtig ist und mein After-Baby-Body suuuupi ist. Es ist wichtig. Es ist sogar sehr wichtig, dass ich mich in meiner Haut wohl fühle. Und momentan bin ich wirklich gefrustet und genervt von “meiner” Rektusdiastase.

Früher konnte ich mir problemlos meinen Bauch vollschlagen , ohne dass er anschwillt, als hätte ich mir, naja, den Bauch vollgeschlagen. Spätestens am nächsten Morgen war mein Bauch wieder schön flach. Ich mochte das. Es war das Ergebnis von relativ viel und regelmässig Sport, ein bisschen Glück und einer nicht völlig beschissenen Lebensweise. Nun, das mit “regelmässig und relativ viel” Sport hat sich erledigt, da sich meine Prioritäten durch die Geburt unseres Sohnes verschoben haben. Fast sein gesamtes erstes Lebensjahr habe ich ihn im Tuch getragen, da ablegen für ihn und damit auch für mich, einfach keine Option war.

Jetzt ist er 16 Monate, wird immer selbständiger und nimmt meine Hand nur im Notfall und fürs Tuch ist er viel zu zappelig. Manchmal schaffe ich es sogar kurz in den Spiegel zu schauen. Ich sehe eine müde Mama, die grenzenlos glücklich ist und gleichzeitig regelmässig kurz vorm Durchdrehen. Mehr Lachfalten, mehr Fältchen allgemein. Manchmal fleckige Haut, selten kleine Poren, öfters dunkle Augenringe. Und irgendwie ist bei meinen Haaren noch nicht angekommen, dass sie wieder alle nachwachsen dürfen.

Das ist alles ok. Ich werde älter und da ich keine Instamama bin, muss ich nicht so tun, als hätte ich den Kelch der ewigen Jugend gefunden oder das Schlafmangel spurlos an mir vorbei geht.

Was mich aber echt nervt ist mein After-Baby-Body. Um genau zu sein: mein Bauch. Durch den Kaiserschnitt konnte ich erst Recht spät zur Rückbildung und habe es ganze einmal hingeschafft. Den Rest der Termine saß ich stillend zu Hause oder trug unseren Kleinen der einfach seine Zeit brauchte, bis er ankam.

Und schwupps war fast ein Jahr um. Unser Kleiner rennt, läuft, klettert, tanzt, singt, tobt und findet es völlig blöd, wenn man ihn an der Hand festhalten will.

Und an dieser Stelle einen fröhlichen Mittelfinger an alle Vollpfosten und Dummlabberer die mir ernsthaft erklären wollten, dass das ganze Getrage “nicht gut sein kann”. Und er einfach mal “da durch muss und dann brüllt er halt mal”. “Du verwöhnst ihn total” und “den trägste noch mit 15!”!!!ElfEins!Eins

Mal ganz abgesehen davon, dass wir unseren Sohn mit diesen armseligen Johanna Haarer Ratschlägen mit Sicherheit nichts groß kriegen wollen. Ratschläge dieser Art sind falsch, übergriffig und gefährlich für eine Kinderseele. Sicherlich sind sie nicht geeignet um einem Kind Selbstbewusstsein und Selbstliebe mit auf den Weg zu geben.

Übrig geblieben sind Oberarme um die mich mein früheres Ich beneidet hätte. Meine 30 Kilo, die ich zugelegt hatte, sind dank Stillen fast weg und mein Busen wird vermutlich auch abhauen, wenn wir final abgestillt haben. Nur mein Bauch, der will nicht verschwinden. Spätestens nachmittags sehe ich so aus, als ob ich Blähungen mit einer kleinen Fressattacke habe. Oder halt im 5. Monat bin. Bin ich nicht. Gekrönt wird das Ganze von zwei Walnusgroßen Beulen, die senkrecht über meinen Bauchnabel hocken.

Meine Freundin und ich stehen in der Umkleidekabine: “Du, guck mal, findest du nicht, das sieht irgendwie komisch aus?” fragte ich und präsentierte ihr meinen Bauch. Sie sprang mit einem erschreckten Schrei fast aus der Umkleidekabine. Mit weit aufgerissenen Augen. “Waaaaas ist das?! Hast du Schmerzen? Ist das normal? Ist das ein , nee sind das zwei Geschwüre?!”

Mein Arzt zuvor, den ich aufgesucht hatte, da ich mich über Weihnachten so reingesteigert hatte, dass ich sicher war, ein Krebsgeschwüre zu haben, konnte mich beruhigen. Das sind nur Fettbeulen, keine Sorge. Geht nicht mehr weg.

Diese Aussage reichte mir nicht. Ich rief meine ehemalige Hebamme an und sie schilderte ihr mein bauchiges Problem. Da dämmerte mir schon, dass mit meinen Bauchmuskeln irgendwas nicht in Ordnung ist. Zumal ich wieder etwas mit Sport angefangen hatte und es schlimmer und nicht besser wurde.

“Leg dich hin, Finger knapp oberhalb deines Bauchnabels drücken und wenn du dann einen Crunch machst und dabei mit deinem Finger in deine Bauchdecke reinkommst und links und rechts deine Bauchmuskeln spürst, hast du eine Rektusdiastase.”

Ich kann problemlos zwei Finger reinstecken.

Sport der auf die Bauchmuskeln geht ist erstmal gestrichen, da der es schlimmer machen würde.

Rektusdiastase: Durch die nicht ganz unerhebliche Belastung der Bauchmuskeln während der Schwangerschaft können die geraden Bauchmuskeln ziemlich überdehnt werden und gehen auseinander. Macht sich nicht durch Schmerzen bemerkbar sondern durch eine unschöne Wölbung zwischen den gerade stehenden Bauchmuskeln . Und das es so aussieht, als ob man ein Schwangerschaftsbäuchlein hat.

Bedauerlich. Denn genau der Sport ist es, der mir Kraft gibt, bei dem ich abschalten kann. Energie auftanken, Frust ablassen, alleine sein. Meine festen Zeiten in der Woche.

Ich brauchte fast neun Monate bis ich so langsam raffte, dass ich verdammt doll auf mich aufpassen muss. Das ich nur dann genug gute Mutter sein kann, wenn es mir gut geht. Und das ich dafür verantwortlich bin auf mich aufzupassen. Und zwar gnadenlos und unter Einbeziehung aller Kapazitäten, die es gibt.

Es war (und ist) ein Prozess vernünftigen Egoismus zu entwickeln, der dafür sorgt, dass ich Auszeiten für Sport in der Woche für mich habe. Oder Auszeiten grundsätzlich. Und das ich nicht selbstlos “Ich kümmer mich schon” mit der Konsequenz “dann geh ich halt mal nicht zum Sport” weil “ist schon ok”. Ist es eben nicht.

Es ist Wochenende und mein Mann hat frei und unser Sohn wird früh wach? Ich drücke ihn meinem Mann in die Hand und schlafe weiter. Mittlerweile ohne schlechtes Gewissen. (Und bevor wer in Mitleid mit meinem Mann versinkt, er kommt auf seinen Schlaf, da passen wir auf).

Ich glaube das ist es auch, was mich gerade so stört an meinem Bauch. Abgesehen von der Optik, denn ich habe kein Bock mir meinen After-Baby-Body schönzureden. Es fühlt sich an, wie ein Rückschritt in die Zeit, in der ich noch sehr ankommen musst als Mama.

Mein Bauch zeigt mir, dass es so nicht weitergehen kann. Das ich nicht auf mich geachtet habe. Das ich nicht für mich und meine Bedürfnisse eingestanden habe. Mittlerweile latsche ich auf meinem Zahnfleisch rum, die beginnende Trotzphase unseres Sonnenscheins saugte das letzte bisschen Energie aus mir raus.

Und nun? Nun gehts als erstes zur Physiotherapie und ich lege meinen Bauch in fachkundige Hände. Und mach zur Abwechslung mal das, was ich zu gerne anderen Mamas rate: Gnadenlos auf mich aufpassen, Hilfe annehmen und vor allem um Hilfe fragen.

Denn darauf eine Mama zu sein, die permanent kurz vom Überlaufen ist, habe ich weder Lust noch ist es das was mein Sohn braucht.

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Hi! Ich bin Anita, 38 Jahre und blogge über Alltagsgeschichten aus meinem Mamaleben und meiner Schwangerschaft. Ich mag Nachhaltigkeit, weniger Plastik, ich liebe die Ostsee und finde Zigarettenkippen auf Spielplätzen blöd. Wenn ich pupse, dann kein Einhornglitzer und offene Worte und Humor finde ich zum Dahinschmelzen.

Wenn es meine Zeit und meine Priorität Nummer 1, mein Einjähriger kleiner Junge zulässt, kommt einmal pro Woche ein neuer Blogbeitrag auf meiner Seite https://nitaspleasures.de.

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1 Comment

  1. Auch wenn das Thema über das du schreibst (After-Baby-Bauch) kein schönes ist – aber wie du drüber schreibst finde ich bewundernswert! 🙂 so viel Ehrlichkeit findet man im Netz selten! Danke dafür!! Du bist nicht allein mit all der Lust und dem Frust den das Mama sein und der dazugehörige Körper mit sich bringt!
    Alles Liebe
    Sonja

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