“Maaamaa?! MAMAAA! MAMAMAMA-MAAAMAAA!!!”

Es ist 5 Uhr irgendwas, mein Sohn kneift mir in die Nase und ich beschließe so zu tun als ob ich schlafe. Da ich das jeden Morgen versuche, hätte ich mittlerweile gelernt haben können, dass diese Taktik nicht dazu führt, dass mein Sohn gelangweilt aufgibt, müde wird und wieder einschläft. Bis um sieben oder so.

Doch da ich zu dieser Uhrzeit eh zu sonst nichts in der Lage bin, stelle ich mich einfach schlafend und ziehe zur Sicherheit die Bettdecke über den Kopf um meine Schnupfnase vor weiteren Attacken zu schützen. Bei der Gelegenheit registiere ich, dass mein Hals mehr weh tut als Sonntag. Ach super. Das sind die besten Voraussetzungen für den Start in den Tag! Mama hat den Rotz und dafür ein quietschgesundes Kind.

Beim nächsten Mal die Augen aufmachen ist es nach sieben Uhr und mein Baby grunzt in meinem Arm leise. Wie kann man bitteschön so bezaubernd beim Schnarchen sein? Und wieso sind wir BEIDE wieder eingeschlafen? Dieser Montag wird großartig!

Montage und ich passen einfach nicht zusammen. Es liegt nicht am Montag sondern eigentlich am Wochenende davor. An den zwei Tagen die unser fragiles System zwischen Chaos, Improvisationstheater und Struktur komplett durcheinander bringen. Mit dem Ergebnis, dass mein Sohn am Montag völlig verwirrt ist und ich irgendwann sehr gestresst. Manchmal schon kurz nach fünf Uhr morgens wenn meine Lieblingshände mir in meine Schnupfnase kneifen. Keine guten Voraussetzungen für einen guten Start in die neue Woche. Mit Kräften und Energie und so.

Wir lieben unsere Wochenenden, wenn wir alle drei zusammen sind. Und irgendwie schaffen wir es auch immer mehr, dass wir alle drei Pausen bekommen, Schlaf nachholen und auch mal alleine sind. Wochenende = Familienzeit = aneinander kleben wie Kaugummi? Mal ehrlich, ich würde ausflippen, wenn ich am Wochenende nicht Zeit für mich hätte ohne meine beiden Jungs. Und die beiden vermutlich auch.

In jedem Fall ist Montag das kleine Arschloch vom Wochenende. Mein Sohn findet es blöd, dass Papa nicht da ist und sein Rhythmus ist die letzten Tage völlig flöten gegangen. Mich nervt die Unordnung vom Sonntag, dem einzigen Tag an dem wir auf unser Baugrundstück fahren können. Wir wären keine guten minimalistischen Camper. Vermutlich würden wir unseren gesamten Hausstand mitschleppen. Daher lassen wir das auch mit dem Campen. Wenn wir also rausfahren, dann mit allem was man so braucht um einen Monat in der Wildnis zu überleben und ab Sonntagabend steht der bei uns im Flur. Meistens bis Mittwoch.

Montags ist unser Kleiner grundsätzlich nicht mit der besten Laune gesegnet. Da das schon länger so geht, weiß ich mittlerweile wie wir unseren Montag mit möglichst wenig Tränen dafür aber viel Lachen überstehen und das Beste draus machen. Kuscheln, tragen, Bücher lesen, raus gehen.

Welch ein Glück, dass er offensichtlich über Nacht gewachsen ist und seine Draußenschuhe seit Samstag drohen zu eng zu sein.

Drei Trotzanfälle später sind wir auf dem Weg ins Auto. Der erste übrigens weil ich gemeine Mama aus Versehen selber meinen Toilettendeckel hochgeklappt hatte. Das ist nämlich Aufgabe meines persönlichen Klodeckelhochklappbeauftragten, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt. Ja sorry, aber nach dreimal wach sein in der Nacht bin ich morgens doch nen bisschen tranig.

Der zweite Trotzanfall kam weil ich den falschen Pinsel beim Bild malen (übrigens VORM Kaffee) gereicht habe. Ich lerne ja hinzu, ab sofort liegen meine seine Pinsel bei seiner Kreide, möge er sich doch bitte mit sich selbst streiten welcher Pinsel es von den 10 EXAKT GLEICH AUSSEHENDEN Pinseln denn sein darf. Pöh.

Der dritte Wutanfall kam, da ich nicht mit Flip FLops in den Regen rauswollte.

Was ich an diesem Morgen gnadenlos unterschätzte war, dass die Liebe zu Wasser bei meinem Sohn sich offensichtlich nicht auf Wasser von oben bezog.

Im Hof blieb er stehen und sah sich entsetzt um.

“Komm mein Schatz, das ist Regen, voll toooll!” zwitscherte ich und wetzte mit einem dünnen T-Shirt und Flip Flops bekleidet motiviert vor. Mein Sohn in voller Regenmonitur blieb stehen, guckte verkniffen und kommentierte das Nass mit einem “bah, nee, bah” und drehte wieder um.

“Wir wollen doch shoppen!” erklärte ich leicht verwirrt während mein wetterunpassendes Shirt den Regen aufsog. “Schuhe! Wir wollen dir neue Schuhe kaufen!”.

Ah, na bitte! Die magischen Worte funktionierten und irgendwie schafften wir es ins Auto.

Ich hätte meinem Sohn folgen sollen. Dann hätten wir uns den ganzen Tag zu Hause schön gemacht mit Büchern, Malfarbe und gemeinsam Apfelbrötchen backen.

Berlin dreht durch wenn ein Regentropfen auf die Straße fällt, überall Stau, lebensmüde Radfahrer (ICH habe eine Knautschzone!) und statt 15 Minuten zu unserem liebsten Kindermodenladen waren wir 40 Minuten später nur noch 400 Meter entfernt.

Währenddessen hatte sich mein Sohn endgültig entschieden. Er hat keine Lust auf den Tag und erklärte dies auch sehr laut und bestimmt. Da ist es natürlich absolut hilfreich, wenn die Zufahrtsstrasse gesperrt wird, der Umweg nochmal zehn Minuten dauert und ich mit knapp 40 in einer dreißiger Zone geblitzt werde. Da war es fast egal, dass wir natürlich keinen Parkplatz vor der Tür fanden, meine supi tolle Regenjacke am Hacken zu Hause hin und der Regenschirm im Buggy, der wiederum im Hof stand.

“Egal. Wir rennen jetzt einfach gemeinsam los und du kannst dann aufs Schaukelpferd im Laden, ok?”

Übrigens bin ich recht gut im Kurzstreckensprint mit 15 Kilo schwerem Kleinkind auf dem Arm, das spontan beschlossen hatte, den Regen weiterhin doof zu finden und lieber auf meiem Arm bleibt. Ein dicker Regentropfen knallt auf mein linkes Auge.

Leicht lediert kamen wir an um die magischen Worte zu hören “Unser Schuhladen ist heute zu, Krankheitsfall. Haben wir aber auf Instagram gepostet.” Meine folgenden Worte sind nicht jugendfrei, daher denkt euch bitte meine Antwort.

Und DAS war übrigens das einzige mal bisher, dass es sich negativ auf mein Leben ausgewirkt hat, dass ich nur noch fünf Minuten täglich auf Instagram unterwegs bin.

Nix neue Schuhe, nix Schaukelpferd, dafür 1 Stunde Rückfahrt für 5 Kilometer und mein Sohn schlief völlig aus dem Tritt gekommen viel zu früh ein. Und hier die gruseligen Worte: fünfminütiger Powernap.

Im Geiste male ich mir meine Beschwerde aus, die ich an den Wettergott, die Polizeipräsidenten oder wer auch immer für Blitzer verantwortlich ist und den Inhaber des Schuhgeschäftes schicken würde. Und wenn ich schon dabei bin, dann auch noch an mich.

Bei der Entscheidung wie unser Tag weitergeht, ist die Chance, dass er noch gut wird entweder 0 % oder 100 %. Spielen wir zu Hause noch Wäsche wegräumen und Bücher angucken kann es sein, dass sein Mittagsschlaf klappt und er super gut gelaunt wach wird.

Versuche ich ihn gleich ins Bett zu bringen und bleibe damit in seiner Zeitroutine kann es sein, dass sein Mittagsschlaf klappt und er super gut gelaunt wach wird.

Mein liebster Snack: Apfel aus dem Glas und abgeleckte Käsescheiben. Tasty!

Drei Trotzanfälle und ein kleiner Snack später versuche ich ihn vom Mittagsschlaf zu überzeugen. Ich bin mittlerweile sehr angepisst. Vom Regen, vom Ablauf, vom Tag, vom Regen, von meinem kleinen Wutzwerg, dass mir mein Schlüssel in die Pfütze fällt, die Mülltüte reißt, mein Joghurt alle ist und mich neue schwarze Socken in meiner hellen grauen Wäsche hämisch anglotzen.

Eine Stunden später schläft mein Kind und ich widerstehe nur schwer den Drang die Schlafzimmertür mit den Worten “BLÖDERKACKPUPSLECKMICHDOCHDURIESENFICKARSCHLOCHSCHEISSTAGROTZBLASE!!!111” zu zuschmeissen. Vorläufiges Ergebnis meiner Einschlafbegleitung: ein Kinnhaken von Schuhgröße 26/27, Sabber im Ohr ach nee, klebt ja! also eher Schnodder im Ohr und Sabber im Haar.

Um mich abzuregen, schreibe ich eine empörte Nachricht an den Kinderschuhladen. Keine Smileys!

So. Das Schuhproblem besteht weiterhin, das Wetter ist oll und so wie mein Kind auf den Regen reagiert hat, lasse ich das mit dem Spielplatz. Ob es ein guter Moment ist einen Fernsehnachmittag für mein 18 Monate altes Baby einzuführen? Besser mit oder ohne Kakao? 😀

Da die Woche randvoll ist und wir die Schuhe dann doch dringend brauchen, rufe ich bei einem anderen Schuhladen an um die wichtigen Dinge vorab zu klären. Alle gesund und munter? Führt ihr Lauflernschuhe der Marke *sagichnichtdannmüssteichesmitwerbungkennzeichnen* in Größe 26 und 27? Und habt ihr ein Schaukelpferd?

Dreimal ja. Puh.

Wenigstens etwas. Mein Sohn wird nach 40 Minuten laut kreischend wach und ein Blick auf seine knallroten Wangen enttarnt den Übeltäter. An wieder einschlafen ist nicht zu denken und damit ist auch wirklich sichergestellt, dass der Nachmittag keinen Stimmungsumschwung mit sich bringt.

Die letzten Backenzähne wollen raus. Bisher kam kein einziger Zahn einfach so. Jeder war die pure Hölle und es dauerte ewig. Und auch wenn es irrational ist: ich finde es maßlos unfair, dass ausgerechnet mein Sohn sich so damit quälen muss! Und ich auch.

Die Zahnschmerzen machen ihn super super sauer und – ich sag mal vorsichtig formuliert – energisch. Energisch wird wahllos alles durch die Gegend geschmissen, gerannt, gehopst, umgeworfen, gehauen, gezornt, gebrüllt, auf den Arm gewollt, runter gewollt, sofort wieder rauf gewollt.

Kennt ihr das, wenn ihr euch weh tut, also wirklich weh tut? Und dann mal kurz flucht oder worauf haut um dem Schmerz seine Schärfe zu nehmen? Genauso geht es meinem Sohn. Nur, dass der Schmerz verdammt nochmal nicht nachlässt. In solchen Situationen bekommt er Schmerzsaft. Punkt. Aus. Ende.

30 Minuten später wirkt der Schmerzsaft und meine heißgeliebte Rotwange und ich sitzen einigermaßen zufrieden in der Küche, mampfen eiskalte Wassermelone bei 15 Grad und als Nachtisch bekommt mein Held Bananeneis. Hauptsache Kühlung für das geschwollene Zahnfleisch.

Ein paar Bücher und Tänze später, werden mir meine Schuhe und mein Autoschlüssel gereicht. Kick an. Vielleicht wird das ja doch noch was mit den Schuhen.

“Was klackert hier eigentlich so penetrant?” frage ich meinen Sohn im Auto. “Da vorne an der Scheibe. Hörst du?” Wir lauschen. “Klingt wie ein Parkticket, dass in den Spalt reingerutscht ist und immer wenn die Lüftung an ist, flattert. Ist eine Form der Folter. Also Schatz, wenn ich heute noch durchdrehe, dann nur wegen diesem nervigen Geräusch.” Und nein, den Zettel bekam ich nicht raus.

Im Leben gehts um die Kleinigkeiten. Es sind nicht die großen Dinge, die uns freuen oder stressen. Es sind immer die Kleinigkeiten.

Unterwegs ereilen uns kleinere (ich kann den Autoschlüssel während der Fahrt leider nicht hergeben) und größere Krisen (wenn Mama bei Rot einfach so hält kann das schon fies rüberkommen), wir bleiben etwas länger im Auto da mein Sohn noch Autofahren üben möchte, Parkplätze sind wie dieser Tage üblich am Arsch die Waldfee und der Regen fängt beim Aussteigen wieder an.

Glücklicherweise hat sich mein Sonnenschein seine anfängliche Phobie vor Regen von oben überwunden und ganz in Ruhe mit vielen Pausen unterwegs kommen wir im Schuhladen an. Wie versprochen, hat er offen, unsere Größe ist auf Lager und das wichtigste, das Schaukelpferd ist auch da. Ein Kind versucht meinen Sohn runterzudrängen, entscheidet sich aber nach meinem Blick dagegen. Nicht heute, Freundchen!

Wir sind irgendwann zu Hause. Noch 2 Stunden stehen zwischen mir und meiner Couch. Davor gibt es die Tomatensoße von gestern mit Nudeln für meinen Sohn. Da der Rest zu wenig und das Pesto alle, gibt es für mich Nudeln mit Butter und Salz. Der neue Tiefpunkt des Tages.

Offensichtlich lässt die Wirkung des Schmerzsaftes nach, denn mein Sohn nimmt seine Nudeln in den Mund, spuckt sie wieder aus und donnert seinen Löffel weg. Verdammt. Nach einem Haps, mache ich es ihm gleich. “Das, meine Knutschtrompete nennt man “Al Dente” und ist der krönende Abschluss von heute!”

Ich bin müde. Müde davon, dass in unserem Tag von Anfang an der Wurm drin war. Das ich den Wurm nicht rausbekommen habe. Egal für was ich mich entschieden habe, es war am Ende falsch und nichts wurde besser. Ich habe mich über Dinge aufgeregt, die meine Aufmerksamkeit überhaupt nicht verdienen und damit noch mehr Energie verloren. Meine Nerven waren so dünn, dass ich jeden Regentropfen in meinen Nacken persönlich genommen habe. Ich hätte gerne einen schöneren Tag für meinen Sohn gehabt.

Und jetzt würde ich gerne mainstreammässig etwas versöhnliches zu dem Tag schreiben im Stil von “blablabla aber das ist ganz normal blabla morgen wird es besser blablabla ich bin trotzdem eine tolle Mama blablabla und positiv ist ja blablabla.”

Doch da ich sowas zum Kotzen finde, kommt die ungeschönte Wahrheit:

Es war einfach ein furchtbarer Tag, einer zum Vergessen. Einer der mir alles abverlangt hat, nicht auszurasten. Ein Tag an dem ich meine Atemübungen aus meinem Geburtsvorbereitungskurs hätte anwenden können, wenn ich denn daran gedacht hätte. In Wahrheit war ich froh an die Klospülung zu denken. Ich hätte gerne wie mein Sohn das Essen durch die Gegend geschmissen. Oder das volle Wasserglas auf den Kopierer. Oder einfach losgebrüllt. Ein Tag bei dem ich morgens bereits auf sein Ende gewartet habe. Und am Ende stand ich leicht zittrig vorm Kühlschrank mit dem Plan mich mit vielen Kalorien vollzustopfen die mir Pickel und ein Pfund mehr bescheren würden. Schokolade war alle.

Ich hasse Montage.

Hi! Ich bin Anita, 38 Jahre und blogge über Alltagsgeschichten aus meinem Mamaleben und meiner Schwangerschaft. Ich mag Nachhaltigkeit, weniger Plastik, ich liebe die Ostsee und finde Zigarettenkippen auf Spielplätzen blöd. Wenn ich pupse, dann kein Einhornglitzer und offene Worte und Humor finde ich zum Dahinschmelzen.

Wenn es meine Zeit und meine Priorität Nummer 1, mein Einjähriger kleiner Junge zulässt, kommt einmal pro Woche ein neuer Blogbeitrag auf meiner Seite https://nitaspleasures.de.

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